Aktuelle Platzierungen vom 28.03.2025
Top 100 nicht platziert
Hot 50 nicht platziert
Chartinfos
Eingestiegen Platz 80 am 10.07.2006
Höchste Platzierung 24
Wochen platziert 10
Bislang bestand bei dem Namen The Shapeshifters immer Verwechslungsgefahr. Doch damit ist jetzt Schluss. Nach dem Album Sound Advice sollte allen klar sein, dass es sich bei diesen Gestaltwandlern weder um einen DrumnBass-Act aus Neuseeland, noch um eine HipHop-Formation aus Kalifornien handelt, sondern um die beiden House DJs, die vor zwei Jahren mit Lolas Theme in Großbritannien Platz 1 der Singlecharts eroberten.
Einen phänomenaleren Einstand hätten sich Simon Marlin (Musiker, Chef des House-Labels Nocturnal Groove und Clubnachtbetreiber) und Max Reich (schwedischer DJ und Techno-Produzent) kaum wünschen können. Dabei war Lolas Theme zunächst nur ein Instrumentalstück, das im britischen Underground die Tanzflächen in wahre Hexenkessel verwandelte. Erst durch die Verpflichtung der wunderbaren, an Gospel und Soul geschulten Sängerin Cookie, die für Kylie Minogue und Ms. Dynamite Background gesungen hatte, wurde aus dem reinen Dance-Track eine prickelnde House-Delikatesse mit Popgeschmack und Hitgarantie. Mit der Nr. 1 sowie Nominierungen bei den Brit-Awards und hiesigen Dance Music Awards untermauerten The Shapeshifters ihren Ruf als einer der besten britischen House Acts unserer Zeit.
Aber das war erst der Anfang. Die zweite Single Back To Basic, herausgeputzt mit einer zündenden Melodie, einer einmal mehr auftrumpfenden Cookie und einem brillanten Philly-Orchester-Sound, schaffte ebenfalls den Sprung in die britischen Top 10 und auf die vordersten Plätze aller relevanten Dance-Charts. Seit diesem Track mit Klassiker-Potenzial, der wie Lolas Theme auf dem Album Sound Advice natürlich nicht fehlen darf, können sich The Shapeshifters über mangelnde Arbeit wahrlich nicht beklagen. Wenn sie nicht gerade bei Top Of The Pops auftreten, legen sie in den coolsten Clubs des Planeten auf oder nehmen Auszeichnungen wie Best Breakthrough DJs bei den House Music Awards entgegen. Und selbstverständlich zählen ihre längst legendären Nocturnal-Groove-Labelabende im AKA/The End auch weiterhin zum Besten, was die Londoner Danceszene zu bieten hat.
Mehr noch: Inzwischen bezeichnen selbst Legenden wie Frankie Knuckles und Nile Rodgers sie als die führenden Köpfe einer neuen House-Music-Generation. Ein Lob, das für die beiden Dance-Spezialisten doppelt wiegt, kommt es doch von Musikern, die sie selbst bewundern und mit denen sie gerne zusammenarbeiten würden. Im Fall von Nile Rodgers hat das sogar auf Anhieb geklappt. Der Kopf von Chic und legendäre Produzent (David Bowie, Rolling Stones, Diana Ross, Sister Sledge) wirkt auf dem Albumtrack Sensitivity mit, einem mitreißenden Disco-Stomper, der auf einem klassischen Funk-Sample aus den 70er Jahren basiert und jeder Saturday Night Fever-Retro-Party zur Ehre gereichen würde. Als Sängerin brilliert hier in bester Donna-Summer-Manier Jenna G, bekannt von Uncut und Radio 1s 1Xtra.
Immer auf der Suche nach neuen außergewöhnlichen Musikern und Vokalisten haben Simon Marlin und Max Reich gleich mehrfach absolute Glücksgriffe getan. So wirken auf Sound Advice als Musiker unter anderen LSO, angeführt von Gavyn Wright, mit. Als Sängerinnen brillieren neben Cookie und Jenna G die Neuentdeckungen Antigone Foster und die junge Kelly Marie Smith, von der wir bestimmt in naher Zukunft noch viel und Gutes hören werden. Ihre beseelte Performance auf der Vorabsingle Incredible, die hierzulande bereits zum massiven Radio- und Clubhit avanciert ist, ist schlichtweg atemberaubend: Wahrlich Incredible wie der phantastische Gitarrensound, die locker eingestreuten Bläsersätze, die schmeichelnden Streicherklänge des London Session Orchestras und der unwiderstehliche Groove.
Von ähnlich überragender Form finden sich auf Sound Advice gleich ein halbes Dutzend Tracks. So empfehlen sich neben den drei Singles (Sensitivity wird die nächste sein) auch der Albumopener You Never Know mit einer scharfen Kritik an der Männerfreundschaft Bush-Blair und das hypnotische If In Doubt Go Out als neue Pop-Dance-Classics For The Masses. Mehr der eigenen Underground-Vergangenheit zugetan sind hingegen der Deep-House-Track Route One und die streichersatte Electrohymne Little Green Men.
Gleichwohl verstehen sich The Shapeshifters nicht ausschließlich als Disco- und House-Evangelisten. Wie der Bandname schon andeutet, können sie ihre Gestalt beliebig verändern, als purer Techno-Act auftreten (Really Feel), mit einem sommerlichen Mix aus psychedelischen Sounds, perlenden Beats und akustischen Gitarren überraschen (Beautiful Heartache) und getragene, atmosphärische Klanglandschaften wie Over Me kreieren. Und mit der schimmernden Popelegie Instead Of Falling, gesungen von Antigone Foster, mit der Sound Advice majestätisch ausklingt, machen Simon Marlin und Max Reich endgültig Schluss mit dem Mythos, dass Dance-Acts keine echten Songs schreiben können.
Nach Sound Advice besteht kein Zweifel mehr: The Shapeshifters sind eine Ausnahmeerscheinung in der aktuellen Dance-Szene. In den zwei Jahren seit ihrem ersten Hit haben sie sich nicht nur massiv weiterentwickelt, sondern auch das Gros ihrer Kollegen und Weggenossen weit hinter sich gelassen. Wo andere nur die Tanzflächen im Visier haben, erobern The Shapeshifters Pop- und Dance-Charts gleichermaßen. Eine solch gelungene Doppelstrategie bekommt man nicht alle Tage geboten.